Stiftung für Konsumentenschutz: Fahrgastentschädigung verdient den Namen nicht

 


23.10.2019, Bahnreisende sollen Anrecht auf eine Entschädigung erhalten, wenn es im öffentlichen Verkehr zu grossen Verspätungen kommt: Der Vorschlag, wie dies geschehen soll, schliesst jedoch die meisten Reisenden aus. Der Konsumentenschutz verlangt wesentliche Verbesserungen.

In der EU sind Entschädigungen für Verspätungen im öffentlichen Verkehr schon lange üblich. Nun sollen sie auch in der Schweiz Realität werden. In der Vernehmlassung zur Revision der Organisation der Bahninfrastruktur (OBI) sind entsprechende Bestimmungen aufgenommen werden.

Diese sind jedoch so, dass die Reisenden kaum Anspruch auf eine Entschädigung werden geltend machen können:

Bei Verspätungen von über einer Stunde müssen gemäss dem Vorschlag 25 % des Fahrpreises entschädigt werden, bei über zwei Stunden 50 %. Beträgt die Verspätung über eine Stunde, können also nur die Reisenden eine Entschädigung einfordern, welche ein Billet für eine einfache Fahrt von über 40 Franken gelöst haben.

«Damit wird der grösste Teil der Reisenden ausgeschlossen, die Fahrgastentschädigung wird so zu einer Farce», ärgert sich Geschäftsleiterin Sara Stalder über die unsinnige Regelung. Die 2,6 Millionen öV-Nutzerinnen und -nutzer mit Halbtax erreichen diesen Betrag nur bei wenigen, sehr langen Strecken.

Der Konsumentenschutz fordert deshalb zusammen mit der Westschweizer und Tessiner Konsumentenorganisation FRC und ACSI:

1. Der Betrag, ab welcher eine Entschädigung erfolgen muss, darf höchstens 5 Franken betragen. Dies entspricht in etwa demjenigen in der EU. 2. Inhaberinnen und Inhaber von Abonnementen und Streckenbilletten dürfen von der Entschädigungspflicht nicht ausgenommen werden. 3. Die Fahrgäste müssen im Falle einer Verspätung unbürokratisch und rasch zu ihrer Entschädigung kommen. 4. Konsumentinnen und Konsumenten sollen nicht gezwungen werden, ihre Geolokalisierungsdaten offenzulegen. 5. Der Datenschutz muss gewährleistet sein.

In der EU ist man zurzeit dabei, das Entschädigungsreglement zugunsten der Fahrgäste zu verschärfen. Der Konsumentenschutz verlangt, dass man diese Vorgaben übernehmen soll statt eine Regelung einzuführen, welche den Konsumenten keinen Nutzen bringt.


Medienkontakt:
Stiftung für Konsumentenschutz
Sara Stalder
031 370 24 20
info@konsumentenschutz.ch

Über Stiftung für Konsumentenschutz:
Die Stiftung für Konsumentenschutz wurde 1964 von vier Arbeitnehmer- und Konsum-Organisationen als privatrechtliche Stiftung gegründet mit dem Zweck, die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten zu wahren. Sie hat ihren Sitz in Bern.

Die Stiftung für Konsumentenschutz vertritt seit 1964 engagiert und unabhängig die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit. Sie nimmt aktiv am politischen Prozess teil.

Bereits im Parlament und in der Gesetzgebung müssen die Rechte der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber den Ansprüchen und Forderungen der Wirtschaft die Waage halten.

Die Stiftung für Konsumentenschutz versteht sich als Lobbyistin und Anwältin der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten und verhandelt mit der Wirtschaft auf Augenhöhe.

Der Konsumentenschutz bewahrt stets seine Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit und nimmt weder von der Wirtschaft noch von der Politik Spenden an.

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