Konjunkturprognose: Schweizer Wirtschaft wächst 2023 deutlich unterdurchschnittlich

 


16.03.2023, Bern - Die Expertengruppe Konjunkturprognosen bestätigt im Wesentlichen ihre bisherige Einschätzung. Für das Jahr 2023 erwartet sie ein deutlich unterdurchschnittliches Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,1 %, gefolgt von 1,5 % im Jahr 2024 (Sportevent-bereinigtes BIP). Die Energielage in Europa hat sich in den vergangenen Monaten entspannt. Der Teuerungsdruck bleibt international aber hoch.

Im 4. Quartal 2022 stagnierte das BIP der Schweiz. Das herausfordernde internationale Umfeld bremste die konjunktursensitiven Bereiche der Industrie; die Warenexporte gingen zurück. Hingegen wuchs die Binnennachfrage erneut, gestützt u. a. durch den robusten Beschäftigungsaufbau. Die Stimmungsumfragen lieferten zuletzt heterogene Ergebnisse. Insgesamt deuten die aktuellen Indikatoren aber auf eine solide Entwicklung der Schweizer Wirtschaft im 1. Quartal.

International präsentiert sich die Wirtschaftslage derzeit etwas positiver als noch in der Prognose von Dezember angenommen. In China hat nach dem Ausstieg aus der Null-Covid-Politik eine deutliche Konjunkturerholung eingesetzt. Daneben hat sich die Energielage in Europa in den vergangenen Monaten entspannt. Allerdings hat sich die Kerninflation in den grossen Industrieländern zuletzt weniger günstig entwickelt als erwartet, sodass mit einer restriktiveren Ausrichtung der internationalen Geldpolitik und entsprechenden bremsenden Effekten auf die globale Nachfrage zu rechnen ist.

Auch im Inland ist zunächst mit verhältnismässig hohen Teuerungsraten zu rechnen. Die Inflation dürfte 2023 bei 2,4 % zu liegen kommen. Gestützt durch die gute Lage am Arbeitsmarkt und Nominallohnerhöhungen sollte der private Konsum in den kommenden Quartalen moderat ansteigen. Bei den Investitionen ist angesichts des Umfelds nur mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund prognostiziert die Expertengruppe für das Jahr 2023 ein Wirtschaftswachstum in der Schweiz von 1,1 % (Prognose von Dezember: 1,0 %). Damit würde sich die Schweizer Wirtschaft deutlich unterdurchschnittlich entwickeln, ohne aber in eine Rezession zu geraten. Wie bisher geht die Expertengruppe für ihre Prognose davon aus, dass eine Energiemangellage mit breitflächigen Produktionsausfällen auch im kommenden Winter 2023/24 ausbleibt. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Gas- und Strompreise im historischen Vergleich hoch bleiben.

Bis Ende 2024 dürfte sich die Energielage in Europa weiter normalisieren und die Inflationsraten international allmählich zurückgehen. Damit sollte eine gewisse Erholung der globalen Nachfrage einsetzen. Die Expertengruppe senkt ihre Prognose für das Wachstum der Schweizer Wirtschaft 2024 geringfügig auf 1,5 % (Prognose von Dezember: 1,6 %) bei einer jahresdurchschnittlichen Inflation von 1,5 %.

Die konjunkturelle Abkühlung dürfte sich mit Verzögerung auch am Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Nach 2,0 % im Jahresdurchschnitt 2023 sollte die Arbeitslosenquote 2024 bei 2,3 % zu liegen kommen.

Konjunkturrisiken International sind Risiken im Zusammenhang mit der Inflation und der damit verbundenen geldpolitischen Reaktion in den Vordergrund gerückt. Insbesondere könnte sich die Inflation als noch persistenter erweisen. Dies würde die globale Nachfrage weiter bremsen und eine restriktivere Geldpolitik nötig machen. Dann würden sich bestehende Risiken im Zusammenhang mit der global stark angewachsenen Verschuldung sowie Risiken von Korrekturen an den Immobilien- und Finanzmärkten verschärfen.

Zudem bleiben Risiken bezüglich der Energieversorgung und der Energiepreise insbesondere im Hinblick auf den kommenden Winter 2023/2024 bestehen. Sollte es in Europa zu einer ausgeprägten Energiemangellage mit Produktionsausfällen auf breiter Basis und einem deutlichen Abschwung kommen, wäre auch in der Schweiz mit einer Rezession bei gleichzeitig hohem Preisdruck zu rechnen.

Möglich ist aber auch eine bessere Entwicklung als in der Konjunkturprognose erwartet. Dies etwa, falls sich die Energielage und die Inflation günstiger entwickeln als angenommen. In diesem Fall wäre mit einer robusteren Nachfrage im In- und Ausland zu rechnen.


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