35 Prozent weniger Todesfälle dank kardiologischer Betreuung nach Operationen

 



10.02.2026, Eine neue Studie des Universitätsspitals Basel zeigt, dass die systematische Einbindung der Kardiologie in der Betreuung nach einer Operation schwere Herzereignisse deutlich reduziert. Mit 46 Prozent weniger Herzkomplikationen und 35 Prozent weniger Todesfällen unterstreichen die Ergebnisse dieser Studie den klinischen Nutzen einer eng koordinierten, interdisziplinären Versorgung.

Jährlich sterben weltweit mindestens 4,2 Millionen Menschen innerhalb von 30 Tagen nach einer Operation. Herzinfarkte und andere kardiale Komplikationen gehören dabei zu den häufigsten Ursachen. Diese sogenannten perioperativen Myokardinfarkte (PMI) verlaufen oft symptomlos und werden daher in der Routineversorgung häufig übersehen.

Herzinfarkt nach Operation – ein unterschätztes Risiko
Schmerzmittel, Narkosenachwirkungen und die Ablenkung durch Operationswunden überdecken die typischen Warnsignale wie Brustschmerzen oder Atemnot. «Ohne systematisches Screening mittels Biomarkern bleiben diese lebensbedrohlichen Ereignisse in der Routineversorgung meist unerkannt», erklärt Dr. Noemi Glarner, Erstautorin und Assistenzärztin am Universitätsspital Basel. Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Spitälern Kardiologen nicht routinemässig in die postoperative Betreuung eingebunden sind. Die Chirurgen konzentrieren sich auf den operativen Eingriff, während das Herz als «stiller Patient» zu wenig Beachtung findet.

Studie mit 14'294 Hochrisikopatienten und USB als internationaler Vorreiter
Das Universitätsspital Basel hat als eines der ersten Zentren weltweit ein systematisches Überwachungs- und Behandlungsprogramm für PMI etabliert. Die aktuelle Studie umfasste 14'294 Hochrisikopatienten, von denen 1'048 einen perioperativen Myokardinfarkt erlitten. 614 dieser Betroffenen (59 Prozent) erhielten eine spezialisierte kardiologische Evaluation – mit deutlichen Resultaten: Nach einem Jahr zeigten sich signifikant weniger schwerwiegende Herzereignisse (46 Prozent) und Todesfälle (35 Prozent) im Vergleich zur Gruppe ohne kardiologische Betreuung. «Die Ergebnisse belegen eindrücklich, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Anästhesie und Kardiologie nicht nur theoretisch sinnvoll ist, sondern messbar Leben rettet», betont Prof. Christian Müller, Chefarzt Klinische Forschung am Universitätsspital Basel. Die kardiologische Beurteilung führte zu gezielten diagnostischen Massnahmen, optimierter medikamentöser Therapie und individuell angepassten Behandlungsstrategien. Im Herzzentrum des Universitätsspitals Basel werden bereits seit 10 Jahren solche Untersuchungen durchgeführt.

Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz und Telemedizin überwindbar
Die Studie zeigt auch: Selbst in der Schweiz konnte nur bei 60 Prozent der Betroffenen eine kardiologische Evaluation durchgeführt werden – vor allem wegen Personalengpässen an Wochenenden. «Unsere Erkenntnisse sollten Anlass sein, die Ressourcen für diese interdisziplinäre Versorgung zu stärken», sagt Dr. Christian Puelacher, Erstautor der Studie. Die Forschungsarbeit untermauert die aktuellen Leitlinien der European Society of Cardiology und eröffnet neue Perspektiven: Künstliche Intelligenz könnte helfen, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren, Telekonsultationen die Versorgung in kleineren Spitälern verbessern. Diese Studie wurde soeben im European Heart Journal veröffentlicht.


Medienkontakt: Caroline Johnson
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caronline.johnson@usb.ch

Ursprünglich wurde dieser Artikel am 2. Februar 2026 auf der Webseite des Universitätsspitals Basel veröffentlicht.

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Die enge Zusammenarbeit des Universitätsspitals Basel mit der ältesten Universität der Schweiz und den global führenden Life Science-Unternehmen in Basel garantiert interdisziplinäre Behandlungskonzepte und Innovationen in allen medizinischen Fachrichtungen auf höchstem Niveau. Dieser Wissenstransfer kommt in ausgeprägtem Masse auch der Lehre und Forschung sowie der Aus- und Weiterbildung zu Gute.

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