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Suchtbehandlungen in der Schweiz: Alkohol bleibt mit Abstand führend, Kokain verzeichnet stärksten Zuwachs

 


Bildrechte: Sucht Schweiz

01.04.2026, Gemäss den neuesten Daten des Monitoringsystems "act-info" haben geschätzt über 40'000 Personen im Jahr 2024 eine Therapie in einer spezialisierten Suchthilfeinstitution begonnen. Fast die Hälfte davon (48%) wurde wegen Alkohol als Hauptproblem behandelt, gefolgt von Kokain (12%), Opioiden (wie Heroin) und Cannabis (jeweils 10%). Zwischen 2020 und 2024 hat die Anzahl Behandlungen von Kokain (sowohl Kokainpulver als auch Crack) stark zugenommen.

Das vom Bundesamt für Gesundheit finanzierte und von der Stiftung Sucht Schweiz erstellte Monitoringsystem act-info erlaubt es einzuschätzen, wie viele Personen sich wegen Suchtproblemen in spezialisierte Institutionen in Behandlung oder Beratung begeben und wie sich die Situation im Laufe der Zeit entwickelt:

  • Alkohol bleibt im Jahr 2024 mit knapp 20'000 Behandlungseintritten klar an der Spitze der Rangliste. Das Durchschnittsalter der Klientel liegt mit rund 45 Jahren höher als bei den meisten anderen Substanzen und die durchschnittliche Dauer zwischen dem Beginn eines auffälligen Konsums und dem erstmaligen Eintritt in eine Behandlung ist mit über 10 Jahren länger als bei anderen Substanzen. Diese lange Zeitspanne bis zum Behandlungsbeginn kann u.a. durch die breite Akzeptanz des Alkoholkonsums in der Gesellschaft begünstigt werden.

  • Kokain inkl. Crack: Mehr als 5'000 Personen haben im Jahr 2024 mit dem Hauptproblem Kokainpulver oder Crack eine Behandlung aufgenommen, wobei Crack geschätzt fast 20% dieser Fälle ausmacht. Für beide Formen von Kokain zusammen stieg die Behandlungsnachfrage zwischen 2020 und 2024 um mehr als 40%. Aufgrund der tiefen Preise und der hohen Verfügbarkeit ist der Konsum von Kokain (insbesondere in Pulverform) in breiten Schichten der Gesellschaft anzutreffen. Die Altersgruppe der 25-39-Jährigen ist bei den Behandlungseintritten besonders präsent, wobei der erstmalige Konsum von Kokain häufig um das 20. Lebensjahr herumerfolgt.

  • Weitere Substanzen: Im Jahr 2024 war der Konsum von Opioiden bei gut 4'000 Eintritten der Hauptanlass für die Behandlung. Darunter sind auch etwas mehr als 1'500 Aufnahmen in eine Opioid- Agonisten-Therapie. Cannabis wurde im Jahr 2024 bei über 4'000 Behandlungseintritten als Hauptgrund erfasst. Schlaf- und Beruhigungsmittel stellten bei rund 2'000 Behandlungseintritten im Jahr 2024 das Hauptproblem dar.

  • Verhaltenssüchte: Rund 3'500 Personen haben im Jahr 2024 eine Behandlung wegen suchtähnlicher Verhaltensweisen begonnen. Das Glücks- und Geldspiel hatte mit rund 1'300 Behandlungseintritten den grössten Anteil (und dabei auch einen Anstiegvon über 40% zwischen 2020 und 2024), gefolgt von suchtartigen Problemen im Zusammenhang mit digitalen Produkten.

Crack und Opioide: Komplexe Problemlagen mit häufigen Wiederbehandlungen

Bei Opioiden und zunehmend auch bei Kokain, insbesondere bei Crack, ist ein im Vergleich zu anderen Substanzen erhöhter Anteil an wiederholten Behandlungen zu verzeichnen, was das hohe Suchtpotenzial der entsprechenden Substanzen widerspiegelt und zeigt, wie schwierig es ist, sich bei einer Abhängigkeit von diesen Substanzen zu lösen. Die act-info Daten deuten zudem daraufhin, dass die betroffenen Personen häufig in sehr prekären Lebensverhältnissen stehen und mehrere Substanzen nebeneinander konsumieren. Ausserdem ist häufig ein wechselnder Konsum von Crack, Kokainpulver und Opioiden mit wiederholten Behandlungseintritten zu beobachten.

Nur ein kleiner Teil der Betroffenen sucht Hilfe

Angesichts der hohen Zahl von Menschen in der Schweiz, die Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen oder anderen suchterzeugenden Verhaltensweisen haben, könnten sich viel mehr Menschen in Behandlung begeben. Besonders beim Alkohol ist selbst ein starker Konsum noch weitgehend normalisiert. Dies führt dazu, dass viele Betroffene ihre Probleme lange nicht erkennen. Dieses Tabu muss gebrochen werden.

Kürzungen im Behandlungsmonitoring schwächen die Wissensbasis

Im Zuge der Sparauflagen für den Bund muss das Monitoringsystem act-info reduziert werden. Dies ist bedauerlich, da es sich um ein notwendiges Instrument zur Beobachtung der Situation im Suchtbereich handelt, insbesondere für den Konsum von illegalen Substanzen. In einer Zeit mit immer neuen Substanzen und rascher Veränderung der Situationen sollten genügend Daten zu den Entwicklungen bereitstehen, um reagieren und Massnahmen und Behandlungsangebote adjustieren zu können. Das Monitoringsystem act-info leistet in diesem Zusammenhang trotz reduzierten Ressourcen weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Beobachtung der Gesundheitssituation in der Schweiz.

Das Monitoringsystem act-info basiert auf einer jährlichen Institutionenbefragung aller Suchthilfeeinrichtungen zur Schätzung der Gesamtzahl der Personen, die in der Schweiz wegen Suchtproblemen behandelt werden (ohne privatärztliche Behandlungen). Neben den Hauptproblemen der betroffenen Personen werden ab 2026 auch Angaben zur Alters- und Geschlechterverteilung sowie zur Behandlungserfahrung erhoben.

Eine Untergruppe von Suchthilfeinstitutionen lieferte zwei Jahrzehnte lang mittels Eintritts- und Austrittsfragebögen detailliertere Angaben zu den Problemen und Merkmalen ihrer Klientel, etwa zum Alter beim Konsumbeginn, Lebensumständen, Nebenproblemen, Konsumkombinationen, Wiedereintritten und Umständen des Behandlungsabschlusses. Im Zuge der Sparauflagen für den Bund kann dieser zweite Teil künftig nicht mehr erhoben werden. Dies wird so weit als möglich durch den Ausbau der Institutionenbefragung kompensiert. Auch die Statistiken zur Opioid-Agonisten- Therapie und zur Behandlung mit Diacetylmorphin (pharmazeutisch hergestelltes Heroin) werden weitergeführt.

Pressekontakt:

Markus Meury

Mediensprecher

mmeury@suchtschweiz.ch

021 321 29 63



Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber. Bildrechte: Sucht Schweiz


Über Sucht Schweiz:
Sucht Schweiz will Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial verhindern oder vermindern.

Wir fördern die gesellschaftliche Debatte im Suchtbereich. Wir entwickeln und verbreiten wissenschaftliche Erkenntnisse, die es erlauben, die zugrundeliegenden Probleme zu verstehen, ihnen vorzubeugen und angemessen zu begegnen. Wir setzen uns für wirksame Massnahmen und politische Rahmenbedingungen zur Problemreduktion ein. Wir engagieren uns für ein Umfeld, das den Menschen eine gesunde Lebensweise erleichtert und die individuellen Gesundheitskompetenzen stärkt. Dabei kombinieren wir Massnahmen der Suchtprävention und der Gesundheitsförderung.

Wir unterstützen all jene mit besonderen Risiken – Kinder und Jugendliche sowie Menschen in kritischen Lebensphasen. Betroffenen und Nahestehenden stehen wir informierend, beratend oder finanziell zur Seite.

Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf HELP.ch.


Quellen:
  HELP.ch

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