Hilfe bei Geldspielsucht - Neue Kampagne «Game-Changer» der Kantone vor Hintergrund der Sportwetten an WMs

 


Bildrechte: Sucht Schweiz

07.05.2026, Lausanne (ots) - Spielsucht hat gravierende Folgen. Besonders viele junge Männer sind gefährdet, dies umso mehr angesichts der bevorstehenden Eishockey- und Fussballweltmeisterschaften, die zum Wetten animieren. Doch bei Problemen wenden sich noch zu wenige Betroffene an die Beratungsstellen in den Regionen. Deshalb lancieren die Kantone heute die neue Kampagne "Game- Changer". Denn viele Geldspielende kennen die Hilfsangebote und auch die Risiken nicht, wie eine neue Studie von Sucht Schweiz zeigt.

Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 spielen etwa 10 % der 15- bis 24- jährigen Männer problematisch um Geld. Das sind über 40'000 Menschen, etwa so viel wie die Stadt Thun. Zudem wurden im Jahr 2024 über 18'000 Spielsperren neu ausgesprochen und mehr als zwei Milliarden Franken haben Spielende verloren. Die Schuldenhöhe der Betroffenen, die sich an eine Schuldenberatungsstelle wenden, liegt im Mittel bei rund 93'000 Franken.

Die Zahlen deuten auf eine Zunahme der Probleme mit dem Geldspiel in der Schweiz hin. Doch die Hilfe erfolgt oft erst, wenn das Spiel um Geld und die Schulden grossen Schaden angerichtet haben, denn eine Geldspielsucht bleibt oft lange unbemerkt. Betroffene riskieren, durch alle Maschen zu fallen.

Hilfe ist möglich - zahlreiche Angebote in den Regionen

Geldspielsucht belastet Betroffene (und Angehörige) und begleitet sie im Alltag, bei der Arbeit oder in der Freizeit wie ein Klotz am Bein. Schulden, Isolation, ungeöffnete Briefe oder schlaflose Nächte belasten Beziehungen und die eigene Gesundheit. Diese Last muss nicht alleine getragen werden: Es gibt kostenlose Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige. Ein echter Game-Changer und der erste Schritt, die Kontrolle zurückzugewinnen.

Game-Changer: Neue Kampagne der Kantone

Da noch zu wenige Betroffene Hilfe suchen, lancieren die Schweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein heute die neue Kampagne Game-Changer, welche Betroffene und Angehörige dazu ermutigt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Kampagne lehnt sich visuell an die Ästhetik der Gambling-Industrie an, zeigt aber klar die Belastung im Alltag, die mit der Sucht einhergeht. Das Spiel ist kein Spiel mehr und wird zur Belastung. Im Fokus stehen Online-Casinos und Sportwetten, z.B. auf Fussball- oder Eishockey-Spiele.

Weltmeisterschaften und entsprechende Sportwetten als Kontext

Die Kampagne Game-Changer hat für seinen Start bewusst den Kontext der vor der Türe stehenden Weltmeisterschaften im Eishockey und im Fussball gewählt. Denn viele Spielende wissen nicht, dass diese rascher zu Problemen führen können als das Zahlenlotto. Vor allem dann, wenn online gespielt wird: auf dem Handy kann jederzeit und überall weitergewettet werden. Einige Spielende sind nicht mehr in der Lage, ihren Wetteifer zu stoppen, umso mehr, als dass bei Sportwetten eine trügerische Kontrollillusion herrscht: Man glaubt, dank dem Fachwissen Geld verdienen oder eventuell verlorene Summen wieder zurückgewinnen zu können.

Neue Studie von Sucht Schweiz: Viele Wettende kennen Risiken nicht

Im Rahmen dieser Kampagne hat die Stiftung Sucht Schweiz den ersten Teil einer neuen Studie veröffentlicht, die junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren zu ihrem Verhalten gegenüber Sportwetten befragte. Denn es sind vor allem junge Menschen (und zu drei Vierteln Männer), die Sportwetten abschliessen. Unter den rund 2000 Teilnehmenden gibt die Hälfte an, oft oder sehr oft Werbung für Sportwetten zu sehen. Gleichzeitig sagen über 40 % der Antwortenden, dass sie noch nie über die Risiken der Sportwetten aufgeklärt worden sind. Dieses Ungleichgewicht zwischen Anreizen und fehlender Sensibilisierung für die Risiken ist bedenklich. Kampagnen wie Game- Changer sind also wichtig. Die Resultate zu den Problemen mit dem Geldspiel werden im zweiten Teil der Studie im Herbst 2026 veröffentlicht.

Diese Hilfsangebote gibt es:

- Telefonberatung: 24h, kostenlos, anonym. 0800 040 080

- Online-Beratung: Schriftlich, gratis, sicher, anonym. safezone.ch inkl. Selbstcheck als Ersteinschätzung.

- Beratungsstellen vor Ort: Verzeichnis derregionalen Angebote der deutschschweizer Kantone bei SOS-Spielsucht und für den Kanton Zürich auf der Website des Zentrums für Spielsucht

Pressekontakt:

Markus Meury, Mediensprecher Sucht Schweiz, mmeury@suchtschweiz.ch, 021 321 29 63

Domenic Schnoz, Gesamtleiter Radix, schnoz@radix.ch, 044 360 41 05

Leonard Dinkel, GREA, l.dinkel@grea.ch, 024 426 34 90

Matteo Bizzozero, Ingrado, matteo.bizzozero@ingrado.ch, 091 923 92 83

Matthias Weber, OST, matthias.weber@ost.ch, 058 257 18 24



Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber. Bildrechte: Sucht Schweiz


Über Sucht Schweiz:
Sucht Schweiz will Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial verhindern oder vermindern.

Wir fördern die gesellschaftliche Debatte im Suchtbereich. Wir entwickeln und verbreiten wissenschaftliche Erkenntnisse, die es erlauben, die zugrundeliegenden Probleme zu verstehen, ihnen vorzubeugen und angemessen zu begegnen. Wir setzen uns für wirksame Massnahmen und politische Rahmenbedingungen zur Problemreduktion ein. Wir engagieren uns für ein Umfeld, das den Menschen eine gesunde Lebensweise erleichtert und die individuellen Gesundheitskompetenzen stärkt. Dabei kombinieren wir Massnahmen der Suchtprävention und der Gesundheitsförderung.

Wir unterstützen all jene mit besonderen Risiken – Kinder und Jugendliche sowie Menschen in kritischen Lebensphasen. Betroffenen und Nahestehenden stehen wir informierend, beratend oder finanziell zur Seite.

Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf HELP.ch.


Quellen:
  HELP.ch

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