«Design for Dignity» - mehr Privatsphäre für geflüchtete Menschen

 


Bildrechte: Berner Fachhochschule (BFH)

01.06.2026, In Schweizer Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende ist Privatsphäre ein zentrales Thema. Den Menschen, die dort leben, fehlt es oft an persönlichem Raum und Rückzugsmöglichkeiten. Ein im Rahmen des Projekts «Design for Dignity» (Design für Würde) an der Hochschule der Künste Bern HKB und dem Swiss Center for Design and Health SCDH entwickeltes modulares Sicht- und Geräuschschutzsystem bietet eine kostengünstige und wirkungsvolle Lösung. Die Lebensqualität sowie das psychische Wohlbefinden der Bewohner*innen wird spürbar verbessert. Es geht darum, ein grundlegendes menschliches Bedürfnis wiederherzustellen: Privatsphäre ist kein Privileg, sondern ein Recht für alle Menschen.

Violetta Dyka ist Leiterin des Projekts «Design for Dignity» und studierte an der HKB im Master Design (Vertiefung: Entrepreneurship). Vor Kriegsausbruch entwickelte sie in der Ukraine Gestaltungskonzepte für Wohnungen und Cafés und verstand Design vor allem als ästhetisches Handwerk. Durch ihre eigenen Fluchterfahrungen veränderte sich ihre Perspektive grundlegend: Sie wollte etwas für Menschen auf der Flucht tun, die plötzlich gezwungen sind, an Orten zu leben, an denen ihnen das Recht auf Individualität weitgehend genommen wird.

In zahlreichen Interviews ermittelte Violetta Dyka die Bedürfnisse der Menschen mit Fluchterfahrung. «Meine Idee basiert auf Fakten und Erfahrungen», so die Innenarchitektin. Im Rahmen ihrer Masterarbeit entwickelte sie das Projekt «Design for Dignity» und wurde dafür 2025 von der Berner Design Stiftung mit dem Newcomer-Preis ausgezeichnet. Seit Juli 2025 wird das Projekt von der Gebert Rüf Stiftung unterstützt, die Innovationen zum Nutzen der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft fördert und damit Wissenschaft wirksam macht. Das Projekt ist am Institute for Design Research der HKB angesiedelt, einem Departement der Berner Fachhochschule; Praxispartnerin ist das SCDH.

Ziel von «Design for Dignity» ist es, sowohl die Privatsphäre und das Wohlbefinden der Geflüchteten als auch die Arbeitsbedingungen des Personals in Kollektivunterkünften zu verbessern. Inspiriert davon, wie Geflüchtete Textilien nutzen, um provisorische Abtrennungen zu schaffen, wurden in enger Zusammenarbeit mit den Werkstätten und der Materialkollektion des SCDH umfangreiche Design- und Materialstudien durchgeführt. Daraus entstanden fünf Prototypen, die sich in Materialität und Funktionalität unterscheiden aber alle sowohl visuellen als auch akustischen Schutz bieten. Im Rahmen eines Co-Design-Workshops mit Vertreter*innen aus den Bereichen Migration, Integration und Service Design wurden die Prototypen im Massstab 1:1 getestet und evaluiert. Zu den Beurteilungskriterien gehörten unter anderem die nachhaltige und lokale Produktion, die Funktionalität und Modularität, die Sicherheit, die Herstellungskosten sowie die Umsetzbarkeit in den Gemeinschaftsunterkünften.

Der von den Testpersonen bevorzugte Prototyp aus PET-Filzplatten mit Klettverschlüssen wurde anschliessend weiterentwickelt, als Pilotserie produziert und im März bis April 2026 von Bewohner*innen eines Asylzentrums erprobt. Das Feedback während und unmittelbar nach der Installation fiel durchwegs positiv aus: Besonders geschätzt wurden der Schutz, die Modularität sowie die Möglichkeit, die einzelnen Elemente individuell zu öffnen. Sofort wurde sichtbar, dass die Privatsphäre deutlich verbessert wird und die Räume heller und strukturierter erscheinen. Die systematische Auswertung des Feedbacks ist im Sommer 2026 vorgesehen – nach Abschluss der zweimonatigen Testphase. Parallel dazu wurden ein skalierbares Geschäftsmodell sowie eine Produktionsstrategie entwickelt.

Über den humanitären Kontext hinaus eröffnet das System Potenzial für weitere Einsatzbereiche – etwa in gemeinsam genutzten Räumen wie Gesundheitsinstitutionen oder Jugendherbergen. Für die weitere Evaluation, die iterative Weiterentwicklung der Prototypen sowie das Roll-out, den Markteintritt und die Skalierung hat die Gebert Rüf Stiftung im April 2026 weitere Fördermittel gesprochen.

Im Rahmen der Veranstaltung « Forschen an Kunsthochschulen» am 15. Juni im Kornhausforum Bern wird das Projekt von Violetta Dyka gezeigt.

Projekt «Design for Dignity»

Entwicklung und Implementierung eines modularen Sicht- und Geräuschschutzsystems für Gruppenunterkünfte.

Projektleitung

Berner Fachhochschule, Hochschule der Künste, Institute for Design Research

Catalina Jossen Cardozo, Violetta Dyka, Andrii Taran, Tamara Tremonte

www.hkb-idr.ch

Projektseite: https://www.hkb.bfh.ch/de/forschung/forschungsprojekte/2025-901-025-389/

Material- und Designforschung, Prototypenentwicklung und Pilotproduktion

Swiss Center for Design and Health

Minou Afzali, Manuel Balzarek, Rahel Inauen, Jérôme Rütsche

www.scdh.ch

Finanzierung

Berner Design Stiftung

www.bernerdesignstiftung.ch

Gebert Rüf Stiftung, Förderphasen PROOF, VALIDATE und EXECUTE des First Ventures-Programms

www.grstiftung.ch

Reale Testumgebung im Asylzentrum

Kanton Bern

PET-Filzmaterial

Impact Acoustic

www.impactacoustic.com

Berner Fachhochschule | Hochschule der Künste Bern HKB
Christian Pauli, Leiter Kommunikation
Fellerstrasse 11, 3027 Bern
+41 31 848 38 28



Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber. Bildrechte: Berner Fachhochschule (BFH)


Über Berner Fachhochschule:
Die Berner Fachhochschule setzt sich über angewandte Forschungsprojekte und innovative Bildungsangebote insbesondere in den strategischen Themenfeldern sorgende Gesellschaft (Caring Society), humane digitale Transformation und nachhaltige Entwicklung ein.

32 Bachelor- sowie 27 Masterstudiengänge, fundierte Forschung, Dienstleistungen und ein breites Weiterbildungsangebot prägen ihr Profil: praxisnah, interdisziplinär und in einem internationalen Kontext.

Die sieben Departemente sind an verschiedenen Standorten in Bern, Biel, Burgdorf und Zollikofen untergebracht. Die BFH nimmt Studierende aus der ganzen Welt auf.

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Quellen:
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