Neue Analyse: Kokainkonsum in der Schweiz nimmt zu, bestimmte Berufsbranchen scheinen besonders betroffen

 


Bildrechte: Sucht Schweiz

04.06.2026, Lausanne (ots) - Der Kokainkonsum in der Schweiz nimmt zu - darauf weisen nahezu alle verfügbaren Daten hin. Doch wer konsumiert, und in welchen Kontexten? Eine neue Analyse von Sucht Schweiz im Auftrag der Stiftung Jobema bündelt die wichtigsten Daten und Erkenntnisse zum Kokainkonsum. Sie zeigt zudem, dass bestimmte Berufsbranchen besonders betroffen sein könnten, insbesondere Bereiche mit langen Arbeitszeiten und hohem Männeranteil wie das Baugewerbe oder die Gastronomie.Der Bericht unterstreicht deshalb die Bedeutung von gezielten Präventionsmassnahmen in risikobehafteten Arbeitskontexten.

Kokain ist in der Schweiz nach Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte illegale Substanz. Gemäss der letzten Schweizerischen Gesundheitsbefragung (2022) haben rund 1 % der Bevölkerung innerhalb der letzten zwölf Monate Kokain konsumiert. Das sind hochgerechnet fast 60'000 Personen. Verschiedene Datenquellen, darunter Abwasseranalysen, deuten jedoch darauf hin, dass das tatsächliche Ausmass viel höher liegt. Seit den 2000er-Jahren ist ein kontinuierlicher Konsumanstieg zu beobachten. Parallel dazu steigen Reinheit und Verfügbarkeit der Substanz sowie kokainbezogene Behandlungsfälle in der spezialisierten Suchthilfe und in Spitälern, mit einer deutlichen Dynamik seit etwa 2015.

Kokainkonsum in der Arbeitswelt

Der Konsum von Kokain beschränkt sich nicht auf Gruppen von schwer abhängigen Personen und auf den bekannten Party- und Wochenendkonsum. Wie die Analyse existierender Daten nahelegt, findet ein beachtlicher Konsum auch unter der Woche statt. Forschungsarbeiten deuten auf verschiedene Kontexte des Konsums. Auffallend sind dabei einzelne Berufsbranchen, in denen Kokain teilweise funktional eingesetzt wird, etwa zur Steigerung von Leistungsfähigkeit, Wachheit oder Selbstsicherheit. Dazu gehören die Gastronomie, das Baugewerbe sowie die Kunst- und Unterhaltungsszene. Begünstigende Faktoren sind unter anderem hoher Leistungsdruck, lange oder unregelmässige Arbeitszeiten, ausgeprägte Gruppendynamiken sowie arbeitsbezogene Unsicherheit.

Weite Teile der Gesellschaft und insbesondere junge Männer betroffen

Kokainkonsum hat in weiten Teilen der Gesellschaft Einzug genommen. Besonders häufig konsumieren Männer sowie junge Erwachsene zwischen 18 und 34 Jahren. Ein grosser Teil der Konsumierenden ist sozial integriert, gut ausgebildet und erwerbstätig. Neben Gelegenheitskonsumierenden gibt es eine Gruppe, die einen regelmässigen bis intensiven Konsum aufweist und ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche und soziale Probleme trägt. Der Übergang von einem gelegentlichen zu einem problematischen Konsum erfolgt meist schleichend und die betroffenen Personen suchen oft erst dann Hilfe, wenn gravierende persönliche, soziale oder berufliche Probleme sichtbar werden.

Präventionsansätze: Fokus auf Arbeitskontexte und Risikogruppen

"Kokainkonsum in der Schweiz ist ein wachsendes und vielschichtiges Phänomen, das sowohl Freizeit- als auch Arbeitskontexte umfasst. Eine wirksame Prävention muss diese Realität stärker berücksichtigen und neue Zugänge erschliessen", betont Frank Zobel, Vizedirektor von Sucht Schweiz. Es ist wahrscheinlich, dass bestehende Präventionsangebote viele erwerbstätige Personen mit beginnendem problematischem Konsum bislang nur unzureichend erreichen. Der Bericht spricht sich daher für gezielte Massnahmen in risikobehafteten Arbeitskontexten aus. Erfolgversprechend sind selektive und indizierte Ansätze, die gezielt spezifische Berufsgruppen und Personen mit ausgeprägten Risikomerkmalen in den Blick nehmen.

Pressekontakt:

Ivo Krizic

Projektleiter Forschung

ikrizic@suchtschweiz.ch

021 321 29 94

Frank Zobel

Co-Leiter Forschungsabteilung

fzobel@suchtschweiz.ch

021 321 29 60



Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber. Bildrechte: Sucht Schweiz


Über Sucht Schweiz:
Sucht Schweiz will Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial verhindern oder vermindern.

Wir fördern die gesellschaftliche Debatte im Suchtbereich. Wir entwickeln und verbreiten wissenschaftliche Erkenntnisse, die es erlauben, die zugrundeliegenden Probleme zu verstehen, ihnen vorzubeugen und angemessen zu begegnen. Wir setzen uns für wirksame Massnahmen und politische Rahmenbedingungen zur Problemreduktion ein. Wir engagieren uns für ein Umfeld, das den Menschen eine gesunde Lebensweise erleichtert und die individuellen Gesundheitskompetenzen stärkt. Dabei kombinieren wir Massnahmen der Suchtprävention und der Gesundheitsförderung.

Wir unterstützen all jene mit besonderen Risiken – Kinder und Jugendliche sowie Menschen in kritischen Lebensphasen. Betroffenen und Nahestehenden stehen wir informierend, beratend oder finanziell zur Seite.

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Quellen:
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